„Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.“ – Ein Gespräch mit der Zeitzeugin Frau Dr. Lucia Heilman

Vier Jahre, von 1941 bis 1945, lebte Frau Dr. Lucia Heilman gemeinsam mit ihrer Mutter versteckt in der Werkstatt von Reinhold Duschka in der Mollardgasse in Wien bzw. nach einem Bombentreffer in einem Kellerabteil.

Vier Jahre, die sie als Kind in sozialer Abgeschottetheit, unter kargen Bedingungen und in ständiger Angst verbrachte. Aber sie überlebte den Krieg und kann nun Zeugnis ablegen vom Mut des Reinhold Duschka, sich für sie und ihre Mutter unter Einsatz des eigenen Lebens einzusetzen, und von den Repressionen gegen die jüdische Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg.

Vor allem lehrte uns Frau Dr. Heilman in diesem Gespräch, in dem sie auf jede Frage der interessierten Schülerinnen und Schüler der Klassen 7I, 7A und 6B ausführlich antwortete, dass Toleranz anderen Bevölkerungsgruppen gegenüber und das Zuhören und Hinhören, wenn andere unserer Hilfe bedürfen, wesentliche Grundpfeiler einer humanen Gesinnung sind.

Anlass für den Besuch von Frau Dr. Heilman in St. Ursula bot das neu erschienene Werk von Erich Hackl, das die Klassen 7A und 7I im Deutschunterricht behandelt hatten (Prof. Aichholzer, Prof. Umfahrer-Schatzmann). Die 6B wurde im Religionsunterricht von Frau Prof. Deschberger auf die Thematik vorbereitet.

Nun wollen wir unsere Schülerinnen und Schüler zu diesem Vormittag zu Wort kommen lassen:

Frau Heilman hat ihre Erfahrungen genutzt, um uns näher zu bringen, wozu Menschen fähig sind, aber auch, dass Menschen mit viel Mut etwas dagegen unternehmen können, wie zum Beispiel Reinhold Duschka. (Verena Popp)

In vielen Fächern lernen wir über den Zweiten Weltkrieg, die jüdische Bevölkerung und die entsetzlichen Taten der Nationalsozialisten, doch die Chance zu haben, die Geschichte von einer Jüdin zu hören, welche die damaligen Geschehnisse durchleben musste, ist etwas Unvorstellbares. (Linda Hammer)

Der Besuch der Zeitzeugin hat mich motiviert, so stark werden zu wollen wie sie. (Maria Böck)

Lucia Heilman ist eine sehr beeindruckende Frau, welche mich persönlich lehrte, dass alles Schlimme irgendwann vorbeigeht und man selbst in Todesangst niemals die Hoffnung verlieren sollte. (Christine Breuss)

„Es ist mir bis heute unbegreiflich, was Menschen Menschen antun.“ (Lucia Heilman) Dieser Satz löste etwas Gewaltiges in mir aus. Ich fing an darüber nachzudenken, wie es sein kann, dass Menschen so furchtbar mit anderen Menschen umgehen. (Lea Kuhn)

Diese zwei Stunden mit Frau Heilmann werden mir für immer in Erinnerung bleiben. (Sophie Mostbeck)

Doch was würden wir tun, hätten wir nicht einmal die Wahl, ob wir nun die Schule besuchen wollen oder nicht? Ob wir uns weiterbilden wollen und unserem jugendlichen Leben einen Sinn geben wollen? Lucia Heilman hatte diese Entscheidung nicht zu treffen, denn alle jüdischen Kinder mussten nur ein paar Tage nach Hitlers Einzug in Wien die Schule verlassen. (Grete Cussigh)

Ich finde, dass wir uns alle ein Beispiel an dieser Frau nehmen sollten. Lucia Heilman ist 89 Jahre alt, fährt allein mit dem Taxi in eine Schule, stellt sich vor etwa 80 Schüler und Schülerinnen und redet, redet über ein Erlebnis, das man kaum in Worte fassen kann. Sie tut es. (Laura Kallinger)

Als sie über ihr Leiden sprach, als sie gezwungen war, ihre Schule und ihre Freude zu verlassen, um vor Tyrannen und Misshandlungen zu fliehen, fiel mir in diesem Moment ein, dass ich auch früher gezwungen war, wegen Raketen und Luftangriffen die Schule für einige Monate zu verlassen und aus meinem Land zu fliehen. Ich glaube, wenn mehr Personen dasselbe tun wie Herr Duschka, der in Gefahr war, weil er Lucia und ihre Mutter versteckte, würden viele Menschen gerettet werden. Es war auch ein wunderbares Gefühl, als Frau Heilman mit mir sprechen wollte. (Mohamad Alloush)

Besonders beeindruckt hat mich ihre Antwort auf die Frage, ob sie heute noch Hassgefühle gegen das Thema Judenverfolgung und Judenhass verspürt. Denn ihre Antwort war: „Hitler und die Nationalsozialisten von damals sind inzwischen alle tot. Also nein. Ich habe die Hassgefühle abgelegt.“ (Alexandra Skarke)

Lucia Heilman ist eine außergewöhnliche und vor allem willensstarke Frau, die durch ihre Entschlossenheit und ihren Mut sicherlich die Herzen vieler, die ihr zuhörten, erreichte. (Benedikt Tscherfinger)

Zum Abschluss möchte ich mich nochmals herzlich dafür bedanken, dass wir Schüler die Ehre hatten, einen Vortrag von solch einer tollen Person zu hören, und auch die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen. (Nikolaus Mostbeck)

Auf die Frage, ob sie jemals in der Werkstatt glücklich gewesen sei, antwortete Lucia: „Diese Frage wurde mir schon oft gestellt und auch, wenn ich immer wieder zurückdenke und überlege, ob es da einen Moment gab, komm ich immer wieder zu dem gleichen Ergebnis: Nein, ich habe diese ganzen Jahre kein einziges Mal gelacht.“ (Chiara Kochberger)

Frau Heilman hat uns mitgeteilt, dass sie die Kleinigkeiten im Leben besonders schätzt. Über die Dinge, die für uns komplett normal sind, wie Schnee oder eine Geburtstagstorte, freut sie sich besonders. (Cameo Hagmann)

Ebenfalls sehr berührt hat es mich, als Frau Heilman von ihrem Unverständnis gegenüber dem unverantwortlichen Umgang mit Lebensmitteln sprach... Es ist sehr beeindruckend, eine so bewegende Lebensgeschichte von einer Zeitzeugin persönlich zu hören. (Anna Lingens)

Vor allem, dass sie keine Rache üben wollte an den Jungen, die sie in der Zeit der Judenverhetzung gepeinigt und geschlagen haben, das, finde ich, zeigt schon den außerordentlich bemerkenswerten Charakter von Lucia Heilman. (Maximilian Sernetz, 7I)

Vor allem Frau Heilmans Abschlussworte „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“, werde ich nicht vergessen. (Maria Oberleitner)

Bericht: Mag. Angelika Umfahrer-Schatzmann

 

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